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Das Mädchen mit dem goldenen Schuh

Als Colonia geboren wurde, legten ihre reichen Eltern ihr einen goldenen Schuh an. Er wurde extra von einem berühmten Goldschmied für Colonia gefertigt. Es war das Sinnbild für den Reichtum, in den sie hinein geboren wurde. Sie war so hübsch anzusehen in ihrem goldenen Schuh, dass niemand den Blick von ihr abwenden konnte. Alle, die sie betrachteten, waren vom Gold geblendet. So wurde sie schon als Baby als das Mädchen mit dem goldenen Schuh berühmt. Viele kamen und wollten sich die Kleine ansehen, wie sie froh in ihrem goldenen Schuh lachte und unbekümmert damit herum strampelte. Sie war so berühmt und bekam so viel Anerkennung, dass die Eltern ihr den Schuh gar nicht mehr abnahmen. Sie hätten den Anblick ohne den goldenen Schuh am Fuße ihrer Tochter nicht ertragen können. So behielt Colonia den Schuh seit ihrer Geburt Tag und Nacht an. Während das linke Füßchen langsam wuchs, blieb das rechte Füßchen im Gold eingeklemmt und konnte nicht wachsen. Keinen kümmerte es und es sah auch niemand, denn alle waren von dem Gold so sehr geblendet, dass niemand mehr sah, was wirklich war. Das Gold nahm ihnen jegliche klare Sicht. Die Blendung war so stark, dass sie jeglichen Zugang zu ihrem Innersten verloren. Sie waren so sehr auf das Gold des Füßchens fixiert, dass alle es anstrebten, solch einen Fuß zu haben. Da die Erwachsenen viel größere Füße hatten, mussten auch entsprechend große Goldschuhe angefertigt werden und das konnten sich nur die ganz Reichen erlauben. Man konnte auch schlecht gehen mit diesen Schuhen, denn sie waren starr wie ein Stein. Die meisten Reichen trugen sie daher nur zur Präsentation im Sitzen. Sie saßen dann da, wie ein König auf seinem Thron und ließen nur den goldenen Schuh von sich scheinen. Nur der goldene Schuh war wichtig und alles andere verlor an Bedeutung. Viele ließen sich auch diesen goldenen Schuh an den Füßen küssen. Das war die größte Genugtuung, die sie erreichen konnten in ihrem Leben. So wurden sie noch mächtiger als sie es sowieso schon waren. Wer einen eigenst angefertigten goldenen Schuh tragen konnte, gehörte zu den angesehensten Menschen nicht nur des Landes, sondern der ganzen Welt.
Da die Entwicklung solche Ausmaße annahm, mußte auch Colonia weiterhin ihren Schuh tragen, obwohl ihre Füßchen wuchsen und wuchsen. Nur der eine nicht, er blieb zierlich und klein aber vergoldet. Das hatte den Nachteil, dass Colonia nicht laufen lernen konnte. Sie musste immer sitzen oder liegen. Da sich so keine Muskeln bilden konnten, blieb das rechte Beinchen mit dem goldenen Schuh dünn. Das linke Beinchen, das natürlich wachsen konnte, bewegte sie um so kräftiger. Besah man das rechte Bein, so hatte man das Gefühl, dass sie krank war. Sie wurde auch zunehmend trauriger. So als wäre alle kindliche Fröhlichkeit verflogen. Colonia musste stets bewacht werden, denn es gab genügend gierige Menschen, die auf ihren wertvollen Schuh aus waren. Sobald die Goldpreise stiegen, wurde auch sie wertvoller. So drehte sich ihr Leben nur um den goldenen Schuh.
Ach wie gerne hätte sie mit anderen Kindern gespielt und getollt. Sie hatten so schöne Spiele, die sie auf der Wiese spielen konnten. Colonia durfte sie nur sitzend und stets bewacht beobachten.
Je älter sie wurde, um so mehr hasste sie den Schuh, der ihr einen Klumpfuß verpasst hatte. Sie konnte aber nicht weglaufen. So wurde sie immer trübsinniger, weil sie nicht wusste, wie sie aus dieser Situation je heraus kommen könnte. Ihr Ansehen allein reichte aber, um die Eltern noch reicher zu machen. Daher hatte sie auch den Eltern gegenüber Verantwortung und wurde von einem schlechten Gewissen geplagt, wenn sie nur daran dachte, sich von diesem Schuh je zu lösen. Viele Tränen weinte sie in ihre Kissen. Sie wollte ja auch nicht arm sein, o nein, der Reichtum war ihr angenehm und alle mussten etwas für den Reichtum tun, so musste sie eben den goldenen Schuh tragen. Das Gold, das ihr die Eltern auferlegt hatten, war ihr zum Schicksal geworden, das sie wohl lebenslänglich plagen würde, denn von dem Erbe der Eltern konnte man sich nicht lösen.
Gold, Gold, Gold,… in der Form eines Hemmschuhs, das war ihr Leben. Nie würde sie einen Mann bekommen, der sie liebte, denn was könnte er anderes lieben als ihr Gold. Kein Mann wollte eine Frau, mit einem Klumpfuß auch wenn er aus Gold war.
Colonia konnte weder stehen noch gehen, denn der Fuß wurde immer kleiner, je größer sie wurde. Der kleine Fuß konnte sie nicht tragen und wenn sie dann doch einmal stand, konnte sie es vor Schmerzen nicht aushalten. Je älter und erwachsener sie wurde, lernte sie sich ein Leben durch Bücher zu schaffen. Sie verschlang die Bücher. Aber je mehr sie las, umso unzufriedener wurde sie, weil sie noch mehr erkannte, was ihr alles im Leben entging. Trotz ihres Reichtums konnte sie nicht alles erleben, was in den Büchern stand. Sie hatte sogar manchmal das Gefühl, der Reichtum hindere sie am wahren Leben ebenso wie es der Klumpfuß tat. Durch den Reichtum war ihr Leben ge-richtet. Sie konnte sich alles leisten, sie musste nichts tun um ihre Wünsche erfüllt zu bekommen aber lieben, so wie es in den Büchern stand, das konnte sie nicht und was Weisheit war, das konnte sie nur logisch erfassen. Sie wusste, dass sie nie in diesem Leben, in das sie geboren worden war, so geliebt werden würde, wie sie es sich in ihrem noch unbekümmerten und kindlichen Herzen, gewünscht hätte.
So wurde sie immer härter und verbitterter; scheuchte das Personal, bis sie kriechen mussten. Ihr Leben nahm ihr noch das letzte Stück Liebe, das sie in sich finden konnte und sie warf es den lechzenden Krokodilen hin, die sich nach ihrem Gold sehnten. Der Sinn für das Gold nahm ihr den letzten Rest ihres Herzens. So war nicht nur der rechte Fuß klein geblieben, sondern auch ihr Herz. Von dem hatte sie sich nun endgültig befreit. Von dem Schuh konnte sie sich nicht befreien. Daran hing ihr ganzes prachtvolles Leben.
Jetzt, wo sie kein Herz mehr hatte, führte sie auch keine Zwiegespräche mehr mit einem Inneren, das sie plagte und sie brauchte auch diese ganzen Herz zerreißenden Bücher nicht mehr. Sie ließ sie alle verbrennen. Die Menschen um sie herum, mussten entweder auch ihr Herz entsorgen oder sie gingen zugrunde, denn sie wurde in ihrer Herrschsucht immer unerträglicher. Der goldene Fuß hatte ein kaltes Gespenst aus ihr gemacht. Ein Gespenst, dass alle, die von ihr infiziert waren zu herzlosen Goldmaschinen machte und es wurden immer mehr, denn sie lockte die Menschen mit Versprechungen. Dem Versprechen, dass es ihnen besser gehen würde, wenn sie mehr tun, was sie und damit das Gold ihnen sagt. Da das Vorkommen des Goldes immer weniger wurde weil es ausgeschöpft war und sich der größte Teil in ihrem Besitz befand, hatte sie auch eine unermessliche Macht. Diese Macht kompensierte jetzt ihren Klumpfuß. Sie war sogar stolz auf ihn. Er hatte ihr zur Weltmacht verholfen. Einer Macht, die alle Menschen bewegen konnte, ihr zu gehorchen und zu dienen, denn jeder war heiß auf Gold. Es lag in der Natur des Menschen. Es war nicht nur ihr Erbe, es war das Erbe der Menschheit, die sich nach einer Religion und sei es auch die des Goldes, sehnten. Manchmal hatte sie den Eindruck, man beneidete sie um ihren goldenen Fuß und viele, gar die meisten hätten mit ihr tauschen wollen. Lieber einen Klumpfuß und reich als arm und zwei funktionierende Beine, mit denen man viel laufen musste um sein Geld zu verdienen.
So nahm die Zeit ihren Lauf zum Golde hin. Man nannte es auch das goldene Zeitalter, in dem die Menschen glücklich waren, wenn sie im Golde baden konnten. Dass die Herzen immer kleiner wurden oder gar ganz ausgelöscht waren, störten immer weniger Menschen. Überhaupt ging mit dem Streben nach Gold viel Zerstörung einher. Manchmal hatte es den Anschein als würde die ganze Welt dadurch zerstört. Aber es schien, vom Gold geblendet niemand zu sehen. Hauptsache, die Bauten und die Äußerlichkeiten wurden größer, mehr vergoldet und damit imposanter. Alles Kleine und scheinbar Bedeutungslose musste für das größere Goldene weichen. Was bedeutungslos wurde, konnte weg, egal ob Ding oder Mensch.
Die, die sich noch ein Herz bewahren konnten, waren machtlos gegen die Macht des Goldes, auch sie drohten zu verkümmern. Sie wurden immer schwächer, da sie zunehmend mit den Annehmlichkeiten des Goldes konfrontiert wurden und von ideellen Werten oder Wärme des Herzens konnte man immer schlechter leben. Das Gold brachte vielen solch einen Reichtum, der es scheinbar für jeden möglich machte, in diesem Reichtum zu leben.
Wie bei Colonia hatte das Herz nur noch die Aufgabe zu schlagen um Reichtum zu erwerben. Immer weniger Menschen ließen sich von anderen Werten, von inneren Werten überzeugen, da die äußeren Werte überzeugender waren. Der liebevolle und weise Mensch war vom Aussterben bedroht.
Welches Herz hätte Colonia noch umstimmen können? Sie war jetzt im reifen Alter, so dass sie aus Liebe hätte Kinder gebären können. Aber war sie ein Kind der Liebe? Sie war das Kind des Goldes und war als solches erzogen. Nur eine innere feurige Regung hätte sie ihres Weges abbringen können. Sie hatte aber das Innere von sich gewiesen, hatte es aus sich entfernt und war kühl wie Eis geworden. Kein Mann hätte sie so lieben können.
So geschah es, dass sie sehr krank wurde. Der rechte Fuss musste ihr abgenommen werden, sonst würde sie sterben, da sich Blutgerinnsel gebildet hatten, die das Bein nach oben hin zu setzten.
Um ihres Lebens Willen, musste sie es geschehen lassen. Sie ließ den goldenen Fuß unter Aufsicht abnehmen, damit er nicht gestohlen wurde. Jetzt hatte sie einen Stumpf und statt des goldenen Fußes ließ sie sich einen künstlichen Fuß mit einem Gelenk an den Stumpf anbringen, so dass sie mit 23 Jahren laufen lernen konnte. Es war wie eine neue Geburt. Mit dieser Fähigkeit, die man ihr als Säugling genommen hatte, wuchs auch ihr Herz wieder und sie verschenkte einen großen Teil ihres Vermögens an all die Menschen, die sich noch etwas Herz und damit inneren Sinn in ihrem Leben bewahrt hatten.

Die Gefühle, die sie zu ihrem Schneider all die Jahre über hegte, obwohl sie dies nicht zulassen wollte und dann auch nicht mehr konnte, da er ein armer wenn auch weiser Mensch war, wiesen ihr jetzt ihren Weg. Es wurde eine gegenseitige echte Liebe und sie heirateten. Sie bekamen 2 Kinder, jedoch keines bekam goldene Schuhe. Wenn sie auch noch oft rückfällig wurde und meinte, sie müsse sich wieder mehr dem Golde widmen, so konnte sie sich doch schnell wieder der anderen Seite, einer höheren Stimme in sich, zu wenden und ein zufriedenerer Mensch werden, der weiß wann es genug ist. Ihre Weisheit, die sie zu einem wahren Menschen machte, fern ab von der Gier nach Gold, wuchs fortan mit jedem Tag den sie lebte. Die Weisheit ein liebender Mensch zu werden, der Mittel und Wege findet seinen Trieb nach Zerstörung um zu wandeln, wurde ihr zum Lebenssinn.
Als sie alt war, starb sie arm aber glücklich in den Armen ihres Mannes. Sie hatte all ihren Reichtum verschenkt. Nur so konnte sie den goldenen Schein endlich loswerden und ein höheres Bewusstsein aus sich selbst leben. Ein Bewusstsein, das ihr Leben reicher machte als alles Gold der Welt und keiner wusste es besser als sie. Jetzt erkannte sie, dass das Erbe ihrer Eltern, die goldenen Jahre, ihre leidvollsten Jahre waren. Zum Ende ihres Lebens, als die Stimme ihres Herzens die Führung übernommen hatte und nicht mehr das Gold, hatte sie den wahren Sinn ihres Dasein gefunden und konnte friedlich mit ihm sterben. So hinterließ sie ihren Kindern und Enkeln ein glücklicheres Erbe als das, was sie von ihren Eltern bekommen hatte. Der goldene Schuh hatte seinen Platz in einem Museum für Kulturgeschichte gefunden, in dem er auch heute noch bewacht werden muss.

Eine kleine Geschichte zum Valentinstag

Das Vögelchen Ildiko

Im Garten von Heumanns saß einst ein wunderschönes, buntes Vögelchen, das herrlich singen konnte. Zwischen seinem Gesang rief es: „Ich heiße Ildiko. Ich heiße Ildiko.“ Da Herr Heumann vermutete, dass das Vögelchen sprechen konnte, fragte er: „Ei, wo kommst du denn her? Kannst so schön singen.“ Das Vögelchen antwortete nur: „Ich heiße Ildiko. Ich heiße Ildiko“ und sang weiter seine wunderschönen Lieder. So kam es zwei Tage, drei Tage, es kam den ganzen Sommer über zu Heumanns in den Garten und sang. Jeder Auftritt von Ildiko brachte den Heumanns gute Laune, deshalb beschlossen sie Ildiko zu fangen und über den Winter in einen Käfig zu sperren, damit sie gerade in der trüben Jahreszeit nicht auf den Gesang verzichten mussten. So begannen sie Ildiko mit dem leckersten Futter zu verwöhnen und an sich zu binden. Sie kauften sogar exotische Beeren in der Stadt um sie Ildiko anzubieten. Das Vögelchen nahm auch alles gerne an und sang dafür noch eine zweite Runde. Es kamen sogar schon Nachbarn und Menschen aus der Stadt um dem Gesang von Ildiko zu lauschen.
Es wurde Herbst, die Tage kühler und die Heumanns befürchteten Ildiko würde sich eine neue, wärmere Heimat suchen, so wie sie es von diesen bunten Singvögeln eigentlich kannten. Herr Heumann besaß aus seiner Zeit als er noch gerne Schmetterlinge fing einen Kescher. Diesen wollte er nehmen um Ildiko beim Futter zu überraschen und einzufangen. Sie besorgten einen großen Käfig, in dem sie Ildiko halten wollten. Sie räumten das ganze Wohnzimmer um, damit Ildiko den schönsten Platz im Hause, nämlich an dem großen Fenster, das den Blick in den Garten führte, hatte.
Morgen, morgen sollte es geschehen. Morgen wenn Ildiko kam, wollte Herr Heumann das Vögelchen fangen. Alles war bereit für diesen Tag. Der Käfig stand am Fenster und wartete auf seine Beute aber Ildiko kam nicht. Sie kam auch an dem darauffolgenden Tag nicht, sie kam den ganzen Winter nicht. Heumanns machten sich Vorwürfe, sie hatten zu lange gewartet mit ihrer Aktion. Das Vögelchen war schon in weiter Ferne und würde vielleicht nie wieder zurückkommen und ihr Herz beglücken. Heumanns waren traurig. Den ganzen Winter über konnten sie sich nicht verzeihen, nicht früher gehandelt zu haben. Wie schön es doch war als das Vögelchen im Sommer kam und ihnen neue Kraft und Freude brachte. Nun lebten sie wieder in ihrer alten Gewohnheit. Sie fütterten die Maisen im Winter zwar vermehrt aber das war kein Ersatz für die schöne Ildiko mit ihrem Gesang. Vielleicht war sie auch tot, von einer Katze gefangen, so dacht Frau Heumann und wurde immer trauriger. Manchmal wollte sie morgens nicht mehr aufstehen und Herr Heumann musste sie zum Arzt fahren, da er befürchtete sie sei krank. Aber der Arzt konnte nichts feststellen außer, dass sie an der Seele leide und er empfahl ihr Tabletten einzunehmen, damit das nicht schlimmer würde. Das tat Frau Heumann auch, sie nahm die Tabletten, wie verschrieben. Sie konnte jetzt wieder aufstehen und ihren Pflichten nachgehen aber alles wurde irgendwie gleichgültiger. Auch das Vögelchen Ildiko verlor an Bedeutung. Nach einigen Wochen hatte sie das Vögelchen und ihre Freude darüber schon fast vergessen. Alles was sie tat, machte sie ohne ihr Innenleben, rein mechanisch, weil es die Äußerlichkeiten so verlangten. Sie war dem Leben ohne Höhen und Tiefen zunehmend angepasst. Sie klagte nur noch über die faulen Kartoffeln, die sie gestern im Supermarkt gekauft hatten und deren Faulstellen man durch die Papierverpackung nicht sehen konnte. „Die Netze für die Kartoffeln waren besser. Auch wenn die Kartoffeln dann nicht so dunkel gelagert waren, wie in der Tüte“; meinte sie zu ihrem Mann. So ging es tagein, tagaus.
Der Winter plätscherte mit den Tabletten, die Frau Heumann nahm dahin. Wenn Herr Heumann seine Frau jeden Tag so erlebte, ärgerte er sich schon, dass sie Ildiko zu fangen, verpasst hatten. Mit dem Vögelchen in dem großen Käfig im Wohnzimmer, wäre das mit seiner Frau sicherlich nicht passiert. Der Käfig stand noch immer an dem Platz, an dem Ildiko ihnen etwas vorsingen sollte. Seine Frau wollte nicht, dass er entfernt wurde. Statt des Vögelchens stieg sie täglich selbst in den Käfig, denn er war Manns hoch, um alles zu reinigen, so als wäre ein Vogel über Nacht darin gewesen und hätte ihn beschmutzt. Eigentlich wunderte das Herrn Heumann, denn seine Frau sprach nie mehr in dem Winter von Ildiko. Sie stieg nur täglich in den Käfig um ihn zu säubern.
Eines Morgens als Frau Heumann in den Käfig stieg, machte sie von innen die Türe zu und begann zu zwitschern wie ein Vogel. Herr Heumann war überrascht und beängstigt zugleich. Waren das Nebenwirkungen von den Tabletten, die sie einnahm? Es kam noch schlimmer, sie machte dies jetzt jeden Morgen zur gleichen Zeit. Sie musste sogar dafür aufstehen auch wenn sie eigentlich länger hätten schlafen können. Er traute sich gar nicht, das irgendjemandem zu erzählen, so peinlich war es ihm. Nicht genug, dass der Käfig noch da stand, jetzt saß seine Frau darin, denn sie hatte sich einen Stuhl hineingestellt und sang. Herr Heumann lobte seine Frau täglich, wie schön sie zwitschern könne obwohl er diese Anwandlungen sehr beängstigend fand. Das erinnere ihn an Ildiko, meinte er zu ihr.
In der dritten Woche, in der seine Frau jetzt jeden Morgen im Käfig saß und pfiff, rief sie plötzlich: „Ich bin Ildiko. Ich bin Ildiko.“
Herr Heumann war vor Schreck erstarrt. Als er zur Besinnung kam, fiel ihm nichts anderes ein, als nachzulesen, was die Tabletten, die sie einnahm für Nebenwirkungen hatten. Er ging und suchte die Packung in ihrem Medikamentenschrank im Bad. Er fand sie und musste mit Entsetzen feststellen, dass seine Frau die Einnahme schon vor längerer Zeit abgesetzt hatte. Jetzt hatte er Not und musste sie daraufhin ansprechen. Er ging zurück ins Wohnzimmer und fand seine Frau noch genauso vor, wie er es verlassen hatte. „Ich bin Ildiko. Ich bin Ildiko,“ rief sie noch immer und pfiff dazwischen. Ihr Pfeifen hatte auch schon andere Töne angenommen als zu Beginn dieser Tragödie. Es kam dem Zwitschern eines Vogels tatsächlich immer näher. Herr Heumann war ratlos, was sollte er tun. Gut, sie tat niemandem etwas aber sie schien doch verrückt geworden zu sein. Jedenfalls war das nicht mehr normal. Er unternahm nichts, denn sie tat ja wirklich niemandem etwas und irgendwann konnten man ihren Gesang auch nicht von dem eines Vogels unterscheiden. Sollte das Gezwitscher also jemand draußen hören, so hatte er eben einen Vogel.
Es kam der Valentinstag, der Tag der Verliebten am 14. Februar. Herr Heumann stand morgens auf und hörte schon wunderschönen Gesang aus dem Wohnzimmer kommen, so dass er tatsächlich glaubte, Ildiko das Vögelchen, sei zurückgekommen. Es erfreute sein Herz und er wurde beschwingt. Als er ins Wohnzimmer kam, sah er seine Frau in dem Käfig sitzen und rufen: „Ich bin Ildiko. Ich bin Ildiko.“ Dabei zwitscherte sie die wunderschönsten Lieder. Herr Heumann konnte nicht anders als seine Freude über diese Schönheit des Gesangs hervorzutun, indem er rief: „Ach machst du einen schönen Gesang meine Ildiko. Ein schöneres Geschenk konntest du mir heute nicht machen und wie schön du dabei aussiehst…“ Frau Heumann hatte sich ihr schönes buntes Kleid angezogen, dass sie sich, inspiriert von den Farben des Vögelchens Ildiko, nähen ließ. „Ich liebe meine Ildiko,“ rief Herr Heumann erfreut, denn die Freude war jetzt wieder im Hause angekommen. Sichtlich ging es auch seiner Frau besser mit dem was sie tat, denn alle Schwermut war aus ihr verschwunden. Sie feierten den Tag wie nie zuvor, denn die Liebe und nicht die zuletzt gelebte Tristesse hatte ihren Bund wieder beflügelt. Herr Heumann liebte die „Verrücktheit“ seiner Frau und Frau Heumann liebte ihren Mann, der sie endlich singen lassen konnte wie ein Vögelchen.

Die Stimme im Leuchtturm

Clarissa und ihr Mann Santimo waren in ein Dorf nahe der Küste gezogen. Als sie abends im Bett lagen, hörte Clarissa eine wunderschöne Frauenstimme singen, in einer ihr unbekannten Sprache. Die Melodie und die Stimme waren so schön und beglückend, so etwas hatte sie noch nie gehört und erlebt. Sie sprach Santimo an: „Santimo schläfst du schon? Hörst du diese schöne Stimme?“ „Ja“, antwortete er, „es wird der Gesang des Leuchtturms sein“. „Des Leuchtturms?“ fragte Clarissa entsetzt. „Ja, man erzählt sich hier, der Leuchtturm würde zu unregelmäßigen Zeiten zur Paarung aufrufen, indem diese Frauenstimme singt.“ „Und wer ist diese Frau?“ fragte sie. „Das weiß niemand. Sie soll seit Jahrhunderten schon die Menschen zusammenbringen, die sich in ihrer Liebe verirrt haben und beabsichtigten andere Wege zu gehen als den mit den gewählten Partnern. Sie kommen dann als letzte Rettung hier hin, hören den Gesang und sind wieder vereint. Ihre Liebe blüht dann wieder auf, so heißt es hier. Es ist ein richtiger Wallfahrtsort für gebrochene Herzen geworden“, erzählte ihr Santimo. „Welche Sprache ist das denn, was singt sie denn?“

„Das weiß niemand. Den wahren Text kennt keiner. Er ist den Menschen seit ewigen Zeiten ein Geheimnis.“

„Aber wie soll das denn gehen? Nur durch diese Stimme und die Melodie werden doch keine Herzen vereint, die zerrüttet sind“, sagte Clarissa erstaunt.

„Es ist der magische Gesang der Liebe, so heißt es hier“, antwortete er. „Die ältere Dame von Nebenan hat es mir gestern erzählt als du einkaufen warst.“

„Kann man denn eine Liebe heilen, wenn sie zerstört ist?“ fragte Clarissa. „Ich habe immer gedacht, wenn es nicht mehr geht, wenn man sich nicht mehr anziehend findet, ist es besser sich zu trennen. Dann hat man den Mann oder die Frau seiner Bestimmung noch nicht gefunden. Ich denke das kommt sehr häufig vor. Da wird die Frau im Leuchtturm ja oft singen müssen. Ich weiß von vielen Paaren, dass sie nachts von anderen Partnern träumen als denen die sie gerade haben. Die müssten ja dann irgendwann alle hier erscheinen. Zum anderen müssten alle hier im Dorf eine glückliche Beziehung haben.“ Das alles konnte Clarissa sich nicht vorstellen. „Ich will morgen die Nachbarin fragen“, meinte sie.

Am nächsten Morgen suchte sie auch sogleich die alte Dame auf und befragte sie, wie es denn mit den Beziehungen im Dorf aussehen würde. „Die Stimme hört nicht jeder“, sagte sie. „Die meisten im Dorf hören sie nicht. Sie schämen sich deswegen und geben es nicht zu aber sie hören sie nicht. Ich habe es selbst oft getestet, indem ich fragte, haben sie gestern die Stimme gehört und sie sagten ja, aber sie war gar nicht da. Im Dorf ist Unklarheit über die Stimme, die meisten wollen nicht darüber reden, weil sie sie nicht hören. Die Menschen, die die Stimme hören sind wachsam für die Liebe aber nicht für das was der allgemeine Mensch als Liebe bezeichnet, sondern für die reine, die ewige Liebe. Das ist etwas ganz anderes. Sie schauen die ewige Liebe in der Stimme des Leuchtturms. Die meisten Menschen brauchen sich nur, die ewige Liebe braucht aber nicht.“

„Wie ist es mit den Paaren, die die Stimme gehört haben, waren die wirklich wieder vereint?“ fragte Clarissa beeindruckt.

„Es müssen beide die Stimme hören. Wenn sie nur einer hört, reicht das nicht für lange Zeit aus. Sie werden über kurz oder lang vor dem gleichen Problem stehen. Mein Mann ist auch weg. Er hat die Stimme nie gehört. Als wir hierher zogen und ich die Stimmer zum ersten Mal hörte, war ich wie du, ich darf doch du sagen. Ich wollte alles darüber wissen. Mein Mann half mir auch. Wir waren jung verliebt. Ob er sie hörte, konnte ich zunächst nicht erfahren. Ich hörte sie oft nachts, wenn er tief und fest schlief. Als er dann ging, er hatte eine andere Frau gefunden, sagte er mir, die Stimme habe ihn nie interessiert, er habe sich nur meinetwegen so bemüht. Jetzt bin ich mit einem Mann befreundet, der hört die Stimme, das weiß ich genau. Er kommt immer am Wochenende, dann kannst du ihn kennenlernen. Ich denke, die Stimme zu hören ist ein gutes Zeichen für die ewige Liebe, die nur jeder in sich selbst spüren kann. Wenn beide die Stimme nicht hören, mag dies auch gut sein, dann brauchen sie sich oder trennen sich. Aber wenn einer die Stimme hört und der andere nicht, will einer an der ewigen Liebe festhalten und der andere braucht etwas anderes. Die ewige Liebe macht ihn nicht satt. Auch sie werden sich trennen, weil er die Veränderung des Partners nicht ertragen kann.“ Die alte Dame wusste wohl sehr viel über das Leben und die Liebe und insbesondere von der Stimme.

„Aber dann sind die Menschen ja doch füreinander bestimmt“, meinte Clarissa.

„In gewisser Weise schon. Sie dürfen sich aber nicht zerstören, dann ist die Bestimmung verloren. Dies bedeutet, sie dürfen sich nicht brauchen. Sobald sie sich brauchen, hören sie die Stimme der ewigen Liebe nicht mehr.“

„Warum kommen die Menschen nicht zu ihnen und holen sich bei ihnen Rat“, wollte Clarissa wissen.

Sie Dame meinte: „Ich kann sie das Hören der Stimme nicht lehren. Das kann nur die Stimme im Leuchtturm.“

„Warum ist die Stimme wohl in einem Leuchtturm“, fragte sie weiterhin.

„Der Leuchtturm ist eine Warnung vor gefährlichen Untiefen, in die der Mensch der liebt, geraten kann. Der Turm warnt den Menschen, das ewige Ziel, das er ansteuert, nicht zu verlassen.“

Clarissa fand die alte Dame spannender als die Stimme selbst. Was sie alles wusste und wie selbstverständlich das alles für sie war.

Sie meinte weiter: „Wie im Leben sind wir auch in der Liebe nur ein Werkzeug, mit dem wir die Aufgabe der ewigen Liebe zu erfüllen haben. Liebe ist ebenso wenig ein Selbstzweck wie alles andere, was wir als Werkzeug verrichten.“

Clarissa fragte die alte Dame, warum so viele Menschen nachts von einem fremden Partner träumen.

Die Dame antwortete: „Wenn sie das nachts noch träumen, haben sie die ewige Liebe in sich noch nicht erfahren, sie brauchen sich noch. Sie sollten, wenn es ihnen möglich ist, noch mehrmals die Stimme im Leuchtturm hören um davon befreit zu werden.“

„Aber wird denn das Hören der Stimme reichen?“ fragte Clarissa entsetzt.

„Wenn das nicht reicht, haben sie sie nicht gehört“, sagte sie kurz und bündig und Clarissa hatte auch das Gefühl, dass sie jetzt nicht näher in sie eindringen konnte. Sie hatte schon genug gesagt. Aber sie wollte mehr über das Geheimnis der Stimme im Leuchtturm wissen. Als sie sich von der Dame verabschiedete, sagte diese noch: „Versuche nicht die Menschen auf die Stimme hin zu lenken oder gar sie zu testen. Das verleitet sie nicht die Wahrheit zu sagen und zu leben, was sie nicht sind. Ich habe es aufgehört danach zu fragen um ihnen diese Verlegenheit zu ersparen und in eine falsche Richtung zu lenken. Mein Freund war vor vielen Jahren der letzte den ich fragte und es tut mir heute leid. Es war ein Zeichen, dass ich noch einen Gleichgesinnten suchte. Heute weiß ich, dass die ewige Liebe nicht sucht, sondern gibt. Ebenso, wie die Stimme im Turm nicht die Menschen ersucht zu finden, was sie nicht haben, sondern den Menschen gibt, was sie schon haben.“

Sie ging sofort nach Hause und fragte Santimo, ob er gestern Abend auch die Stimme gehört habe. Er meinte ja sicher, das wisse sie doch, sie haben ihn doch gefragt was das für eine Stimme sei und er habe ihr gesagt, was er von der Nachbarin wusste. Daraufhin erzählte sie ihm alles, was sie von der Nachbarin erfahren hatte und dass sie noch mehr wissen wollte.

Sie fragte sich jetzt nur noch wieso die alte Dame Santimo von der Stimme im Leuchtturm erzählt hatte. Sie fragte ihn was er gesagt habe und warum sie ihm das erzählt hat. Er habe nichts gesagt, meinte er. Sie habe gefragt, ob wir wegen der Stimme im Leuchtturm hier seien und da habe er danach gefragt was das für eine Stimme sei.

Die nächsten Tage konzentrierte sie sich sehr darauf, festzustellen, was es wohl in ihr selbst mit der Stimme im Leuchtturm auf sich habe, was denn wohl das Hören der Stimme zu bedeuten habe und wie es sich auswirkt auf die Liebe. Sie sprach mit Santimo nicht mehr darüber. Sie wollte es bei dem Gesagten belassen und weiteres nur für sich feststellen. Außer mit der alten Dame wollte sie mit niemanden darüber reden. Es schien etwas zu geheimnisvolles zu sein, dass man sich durch zu viel Reden nur zerstören können, wie ein Feuer, dass man in sich löscht, obwohl man besser daran täte es zunächst auf kleiner Flamme lodern zu lassen und sich an der kleinen Flamme erfreut.

So fragte sie sich, ob sie Santiomo wirklich so bedingungslos und selbstlos liebt. An manchen Tagen zweifelt sie ihre Liebe zu ihm an aber vielleicht ist es auch nicht die Liebe, sondern nur die Ansicht über ihn. Sie sieht ihn dann negativ. Liebt man nicht, wenn man den anderen kritisiert und sich lieber zurückzieht?

Man kritisiert ja nur, wenn man etwas anderes haben will, wenn man also etwas braucht und wenn man den anderen braucht, hat das nichts mit Liebe zu tun so hatte die alte Dame gesagt. Die meisten Menschen brauchen, lieben aber nicht, deshalb hören auch die wenigstens die Stimme im Leuchtturm.

Es war jetzt 2 Wochen her, dass sie die alte Dame gesehen und gesprochen hatte. Vielleicht war sie krank. Sie wollte einmal nachsehen. Sie besorgte ein paar Blumen und ging zu ihr. „Entschuldigen sie, dass ich sie so unvorbereitet aufsuche, aber ich dachte sie seien vielleicht krank, da ich sie länger nicht gesehen habe.“

„Das ist sehr nett“, meinte die Dame, „aber es geht mir gut. Ich ziehe mich nur gerne zurück. Aber über netten Besuch freue ich mich auch sehr. Komm doch herein und trinke einen Tee mit mir.“ Es gab nichts, was Clarissa lieber getan hätte. Sie nahm dankend an. Sie waren auch sehr schnell in einem Gespräch, dass Clarissa so ersehnte. So meinte die alte Dame:

„Es ist das Ich, das die Menschen so streitsüchtig macht. Dabei hat die Schöpfung es so eingerichtet, dass jeder seine Aufgabe zu erfüllen hat, der eine also den anderen nicht braucht, sondern dass sich beide ergänzen. Aber die Menschen meinen sie haben Defizite, die sie durch den anderen ausgleichen können. Seine Aufgabe merkt man daran, wenn man sie ohne jeglichen äußeren Zuspruch tun kann, wenn man sie also auch in der Abgeschiedenheit verrichten kann und trotzdem wirkt sie auf die Gemeinschaft. Ohne Anerkennung etwas tun heißt aus Liebe etwas tun. Seine Aufgabe in Liebe zu erfüllen, heißt auch, die Menschen selbstlos zu lieben. Man hört dann nicht mehr die Stimme, man ist die Stimme.“

Das wurde für Clarissa immer sonderbarer und geheimnisvoller. Wie sollte sie selbst die Stimme im Leuchtturm sein und das fragte sie denn auch die alte Dame.

„Wir glauben zu sehr an die äußeren Erscheinungen. Was außen ist, ist innen. Mit allem was wir sehen und hören, sehen und hören wir nur uns selbst. Wir schreiben jeden Tag unsere eigene Geschichte und alles was wir erleben sind nur Geschichten, die ebenso gut sich jemand hätte ausdenken können. Durch das Äußere können wir dem Inneren Fähigkeiten hinzufügen. Wir können uns dadurch zur Ganzheit vervollständigen. Alle Geister die wir sehen und hören, sind die Geister in uns selbst.“

Das verstand Clarissa nicht. Wie konnte ihr die Stimme des Leuchtturms eine Erscheinung sein, sie hatte sie doch gehört. Die alte Dame beantwortete ihr die Frage damit, dass das Verstehen nun ihre Aufgabe sei. Sie müsse der Stimme selbst nachgehen um sie zu verstehen, um zu verstehen, was sie ihr sage. Irgendwann würde sie, wenn sie sich darum bemühe, den Gesang und die Melodie in sich aufgenommen haben.

„Die Stimme im Leuchtturm ist seit sie das erste Mal gehört wurde ein Geheimnis, das nicht erklärbar ist. Man weiß auch nicht, warum sie manche hören und andere nicht. Man weiß, dass sie die Liebe beeinflusst und damit das Verhältnis zu den Mitmenschen, man weiß aber nicht wie sie das tut. Wir wollen froh sein, dass es sie gibt und sie nicht durch Erklärungen zerstören. Wer die Stimme hört, gehört zu den Berufenen, wer sie spricht zu den Auserwählten.“ Damit beendete die alte Dame das Gespräch und bat Clarissa nun zu gehen.

Clarissa sah die alte Dame nie mehr. Es hieß, sie habe die Stimme nicht mehr gebraucht und sei jetzt weggezogen ihre eigentliche Arbeit zu tun, die darin bestand, die Menschen in fernen Ländern auf die Stimme im Leuchtturm aufmerksam zu machen. Mit der Zeit kamen auch immer mehr Menschen, auch einsame oder verlassene, zu dem Leuchtturm gepilgert, ob sie wirklich die Stimme hörten, wird ihr Schicksal entscheiden. Es gab keine Schule oder andere Institution, die das Hören der Stimme hätte lehren können. Hier war der Mensch ganz auf sich selbst und seine Fähigkeit zu hören, angewiesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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