Aphorismus 12

Ist das Spiel der Vernunft gerne ein Machtmittel des Mannes, so ist das Spiel der Liebe gerne ein Machtmittel der Frau. Durch Reflexion könnten sowohl Mann als auch Frau erfahren, dass sie jeweils sowohl Liebe als auch Vernunft in sich selbst tragen und könnten so lernen den Kampf von männlichen (Vernunft, Logos) und weiblichen (Trieb, Gefühl) Aspekten in sich selbst zu führen und auszutragen. Denn in der Reflexion wird man zunehmend fähig die Projektionen auf den anderen zurückzunehmen und auf die eigene Seele zu beziehen. So hätten sowohl Mann als auch Frau, die Möglichkeit, durch eine innere seelische Vereinigung, zu einer liebenden Vernunft zu gelangen. (L.B.)

Es ist!

Der Regen bildet Schlaufen
Und hängt sich am Himmel fest
Die Menschen gehen schneller
Laufen unter ihm hinweg

Es ist!

Tiertrauben unter den Bäumen
Niemand hat ihn gewollt, den Regen
Doch ist er da, die Pelze nässend
Erduldend im Handeln lahm gelegt

Es ist!

Jeder in seinem eigenen Fell
Frönt dem Regen, den er nicht bestellt
Er ist, er ist, nimmt jeden gefangen
Erdulden, was ich nicht ändern kann

Es ist!

Ich, Ich, Ich habe vieles anders gewollt
Aber, das Leben hatte mehrere Felle für mich
Ich sah mich nie so klar, wie ich den Regen seh
Eine Maske der Verklärung war meine Sicht

Es ist!

Ach wie reinigend der Regen sein kann
Er wäscht die Fassade ab von mir
Alleine durch den Regen gegangen
Spült den gemeinen Pelz von mir.

Ich bin!

Die Larve hat sich entpuppt
Das Ich eine andere Kontur bekommen
Selbst soll es sein und kein Schein
Einer Häutung gleich, nackt im Regen

Ich bin Es!

Ich bin der Sturm, ich bin der Regen
Die Reinigung hat mir die Weite gegeben
Der Sturm fegt den Regen hinweg
und bringt mir ein neues Leben

Ich bin du!

Die Erde ist rund

Ich rieche den Herbst
Wenn er im Regen
Die Blätter abwirft

Ich höre den Winter
Wenn die klirrende Kälte
Die ersten Eisdecken webt

Ich schmecke das Frühjahr
Wenn das neue Leben entsteht
Die ersten Blüten erwachen

Ich sehe den Sommer
Wenn er mit seinem wärmenden Licht
Alles Leben durchbricht

Ich taste mich durch die Jahreszeiten
Wenn alle Wetter mich begleiten
Zur Fülle des irdischen Seins

Ich fühle mich rund
Wenn ich allem seinen Lauf lasse
Den guten und den schlechten Tagen

Der Stein der Ruhe

Die Ruhe ist ein Stein
Will nicht geworfen sein

Abgelegt und abgestellt
Erkundet er die Welt

Drängt sich nicht auf
Will nirgends hinauf

Der Stein kennt kein Streben
Will eher unbeachtet leben

Gefunden will er werden
Hat kein sinnloses Begehren

So manche Kinderschar
Fand den Stein wunderbar

Die Erwachsenen mussten ihn behauen
Um seinem bloßen Dasein zu vertrauen

Da liegt er nun, der behauene Stein
Der Mensch flößte ihm ein anderes Leben ein.