Spuren im Sand – Gedanken in Muße zur Muße

(Ein Beitrag zur Selbsterkenntnis)

Ich habe mich jetzt 1 Woche, ebenso wie der Leser, mit der Muße beschäftigt und die Augenblicke „passiv“ auf mich zukommen lassen, ob sich mir selbst die Muße in irgendeiner Weise fassen lässt, sie mich innerlich ergreift und wandelt. Es waren die Nächte, in denen sie mich aufmerksam werden ließ. Es war für mich ein ebensolcher Versuch, wie es alle Dinge im Leben erfordern über die man sich eine eigene Ansicht bilden muss, weil man innerlich dazu aufgefordert wird, die man auch selbst vertreten kann, die sich also aus dem eigenen Selbst passiv aber als notwendig, ergibt; dies ist immer ein einsames Wagnis! Außer sich selbst hat man kein Netz, dass einen auffängt. 

Warum ich auf dieses Thema stieß? Diese Frage läßt sich mir nur durch die Selbstregulation meines seelischen Inneren also aus Passivität beantworten. Es war wohl die richtige Zeit dafür, die Zeit der Befruchtung, die ich unbewusst spürte. Es war kein bewusstes Herangehen mit einem bestimmten Ziel. 
Jedes angeführte Zitat der letzten Tagen fügt sich mir in eine seelische Selbstregulation sowohl des Autors als auch des Lesers und es ist kein Zufall, dass man dies liest oder daran arbeitet, ebensowenig wie all das kein Zufall ist, was man unbewusst tut. Tut man es in Muße und aus Muße, d.h. man schaut sich genau an, was man da tut, wird es zu einem prozesshaften Geschehen, das, wie Schlegel es nennt, im „Paradies“ endet.

Im Müßiggang leben bedeutet, in Freiheit zu leben, der man von Natur aus ist!

Diese Freiheit, zu sein, der man ist, umfasst den ganzen Menschen, d.h. das Bewusste und das Unbewusste sind in diese Freiheit eingeschlossen. Denn erst die Freiheit in der Muße erfasst aktiv die Passivität, so dass sich der Müßiggänger frei in seinem Handeln entscheiden kann. Diese durch das Zusammentreffen von Aktiv und Passiv oder Bewusst und Unbewusst, entstandene Freiheit in der Entscheidung, ist es, die glücklich macht, da man sich an nichts gebunden fühlt – alle Ketten und damit Verhaftungen sind gesprengt. Man ist darin authentisch und weiß, was man tut, im Gegensatz zu dem, „denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Damit schließe ich auch die Freiheit ein, den Rat eines anderen erst abwägen zu können und mehr ich Selbst zu sein. Dies entfernt mich von unüberlegtem egoistischem Handeln, da ich in meine Entscheidungen auch Anderen mit einbeziehe; es entfernt mich aber auch gleichzeitig von Hörigkeit, in der ich mich selbst außen vor lasse. Diese gilt für alle Fragen des Lebens.

Muße bewegt sich nie in eine Richtung, sondern in Gegensätzen. Die Gegensätze machen erst ihre bewegende Kraft aus – das Gute folgt dem Bösen und umgekehrt, wie sich im „schlechten Gewissen“ zeigt. In Muße befinde ich mich ja nicht nur in guten Zeiten, auch in den lasterhaften und schlechten Zeiten ist sie mein Antrieb. Erst wenn der Drang zur Zerstörung zur positiven Kraft wird entsteht das künstlerische und damit schöpferische Werk. Erst die schöpferischen sind die „göttlichen“ Taten, die nichts aus Absicht tun. 
In der Muße ist man sich selbst Pfadfinder auf einem Weg des nutzlosen Nutzens oder eines schöpferischen Nichtstuns. Ein stetes Kommen und Gehen. Nichts, das man aufhalten kann, nichts, das man will und doch weiß man, was man tut. Jeder folgt seinen eigenen Spuren und seine Abdrücke sind das, was er im Sande festhält um sich dann wieder auf ein neues Geschehen einzulassen. 

Im Müßiggang folgt man dem was ist und nicht dem, was sein soll; man ist im hier und jetzt und da ist alles, wie es sein soll. In der Muße sind die Dinge nicht voller Hoffnung eines aufgeblähten Ich, wie etwas werden sollte, es herrscht kein Gedanke in bloßen Vorurteilen oder Meinungen, sondern in ihr ist, was ist. Ein Anspruch auf Wahrheit und damit Veränderung hat keine Priorität. Die Muße sucht nicht, sie ist das Ergebnis der Suche. Sehnsucht und Leid werden zur beschaulichen Kraft. Man fügt dem Leben nichts hinzu und nimmt ihm nichts weg und wird doch vollständiger, zu Recht ein heiliges Kleinod, wie Schlegel meinte, das uns aus dem Paradies geblieben ist.

Oder: was wie ein Laster beginnt, endet in einem vollständigeren Menschen.

In Muße zu leben, hebt den Zufall auf und das Leben wird selbstbestimmter, nicht zu verwechseln mit ichbestimmter. 
In der Muße kann man sich stets nur vorfinden. „Ich finde mich in der Situation, in dem Gedanken vor, in dem ich gerade bin.“ Dies bedeutet, dass in diesem Moment nicht mein Ich mit seinem Machtstreben über mich herrscht, sondern es umfasst mich das Sein, wie es gerade ist. Ich kann mich lassen. Insofern muß man das Beobachten der Muße, die eine mindestens ebenso große Macht wie das Ich besitzt (wenn nicht eine Größere), zunächst zu akzeptieren erlernen und dann versuchen ihr zu folgen. Ich folge also dann nicht mehr nur meinem Ich, in seinem Drang nach stetem Verändern-Wollen sondern der Wandel kommt aus meinem Innersten, durch die Selbstbetrachtung in der Muße. Es ist der Wandel durch Passivität. Ich lerne durch das Anschauen der Passivität, die Dinge zu sehen wie sie sind und nicht, wie sie sein sollten. Der Drang des Ich herrschen und beherrschen zu wollen, tritt dann immer mehr in den Hintergrund. Jetzt übernimmt die Passivität oder die Muße die Führung. Ebenso wie ein Schriftsteller seine Handlungsfiguren in seinen Werken passiv schafft, so schafft die Muße den Lauf des Lebens. Große Gedanken kommen aus der Passivität, sie lassen sich nicht durch Wollen und Agieren produzieren. Deshalb wohl Goethes Rat, an den Tagen an denen man nicht „in Muße“ leben kann und nicht aus der Passivität schaffen kann, lieber im Bett zu bleiben und die Zeit zu verschlafen. Goethe kannte wohl den „geschäftigen Müßiggang“ sehr gut und wußte ihn von aller Veränderung durch ein Wollen zu unterscheiden. Insbesondere, was sein künstlerisches Schaffen und damit Werden anbetraf. Ich denke er wurde durch seine Kunst aus der Muße und dem daraus resultierenden prozesshaften Schaffen, zu dem, was er auch in seiner Persönlichkeit war. So erging es wohl allen großen und damit weisen Menschen.

Ein Wollen führt zum herrschen und beherrschen wollen, die Muße führt zum gelassenen Lassen können, in dem selbst der Wandel gelassen hingenommen werden kann.

Dabei möchte ich meine Meditationen heute belassen. Die Zeit, die ich mir gab, war zu kurz.

Weitere Gedanken kommen, wenn sie kommen. Ich möchte sie nicht forcieren oder weiterhin mich und den Leser in Zitaten oder sonstigen Assimilationen wiederfinden. 

Eine Eigenschaft der Muße: sie hat Zeit, viel Zeit.

Daher möge es mir verziehen sein, es mit dem einen Zitat aus der Zen-Weisheit zu beenden, das die Muße für mein Verstehen und dem, was ich oben sagen möchte, sehr treffend formuliert: „Wer still sitzt und nichts tut, sieht wie der Frühling kommt und alles wächst von selbst.“

2 Kommentare zu „Spuren im Sand – Gedanken in Muße zur Muße“

    1. Danke Doris, das freut mich sehr! Eine weitere Diskussion dazu und weitere Anregungen für mich, in dem Thema zu arbeiten, insbesondere was die „Liebe“ anbetrifft, führte ich heute auf Facebook. Es ist wichtig in die Welt zu gehen.

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