einfach NICHTS tun

wer NICHTS tut ist autark.
wer NICHTS tut ist ruhig wie ein tiefer See.
wer NICHTS tut dem ist nicht langweilig.
wer NICHTS tut will nichts.
wer NICHTS tut hat keine Erwartungen.
wer NICHTS tut braucht kein Ziel.
wer NICHTS tut lernt sanft zu sein.
wer NICHTS tut kann alles tun.
wer NICHTS tut ist schöpferisch.
wer NICHTS tut geht mit dem Wind.
wer NICHTS tut hat Zeit.
wer NICHTS tut fließt den ewigen Fluss.
wer NICHTS tut liebt.
wer NICHTS tut ist frei.
wer NICHTS tut lebt sein Leben.
wer im NICHTS bleibt hat sein Glück gefunden.
nur wer NICHTS tut tut authentisch.

Das Mädchen mit dem goldenen Schuh

Als Colonia geboren wurde, legten ihre reichen Eltern ihr einen goldenen Schuh an. Er wurde extra von einem berühmten Goldschmied für Colonia gefertigt. Es war das Sinnbild für den Reichtum, in den sie hinein geboren wurde. Sie war so hübsch anzusehen in ihrem goldenen Schuh, dass niemand den Blick von ihr abwenden konnte. Alle, die sie betrachteten, waren vom Gold geblendet. So wurde sie schon als Baby als das Mädchen mit dem goldenen Schuh berühmt. Viele kamen und wollten sich die Kleine ansehen, wie sie froh in ihrem goldenen Schuh lachte und unbekümmert damit herum strampelte. Sie war so berühmt und bekam so viel Anerkennung, dass die Eltern ihr den Schuh gar nicht mehr abnahmen. Sie hätten den Anblick ohne den goldenen Schuh am Fuße ihrer Tochter nicht ertragen können. So behielt Colonia den Schuh seit ihrer Geburt Tag und Nacht an. Während das linke Füßchen langsam wuchs, blieb das rechte Füßchen im Gold eingeklemmt und konnte nicht wachsen. Keinen kümmerte es und es sah auch niemand, denn alle waren von dem Gold so sehr geblendet, dass niemand mehr sah, was wirklich war. Das Gold nahm ihnen jegliche klare Sicht. Die Blendung war so stark, dass sie jeglichen Zugang zu ihrem Innersten verloren. Sie waren so sehr auf das Gold des Füßchens fixiert, dass alle es anstrebten, solch einen Fuß zu haben. Da die Erwachsenen viel größere Füße hatten, mussten auch entsprechend große Goldschuhe angefertigt werden und das konnten sich nur die ganz Reichen erlauben. Man konnte auch schlecht gehen mit diesen Schuhen, denn sie waren starr wie ein Stein. Die meisten Reichen trugen sie daher nur zur Präsentation im Sitzen. Sie saßen dann da, wie ein König auf seinem Thron und ließen nur den goldenen Schuh von sich scheinen. Nur der goldene Schuh war wichtig und alles andere verlor an Bedeutung. Viele ließen sich auch diesen goldenen Schuh an den Füßen küssen. Das war die größte Genugtuung, die sie erreichen konnten in ihrem Leben. So wurden sie noch mächtiger als sie es sowieso schon waren. Wer einen eigenst angefertigten goldenen Schuh tragen konnte, gehörte zu den angesehensten Menschen nicht nur des Landes, sondern der ganzen Welt.
Da die Entwicklung solche Ausmaße annahm, mußte auch Colonia weiterhin ihren Schuh tragen, obwohl ihre Füßchen wuchsen und wuchsen. Nur der eine nicht, er blieb zierlich und klein aber vergoldet. Das hatte den Nachteil, dass Colonia nicht laufen lernen konnte. Sie musste immer sitzen oder liegen. Da sich so keine Muskeln bilden konnten, blieb das rechte Beinchen mit dem goldenen Schuh dünn. Das linke Beinchen, das natürlich wachsen konnte, bewegte sie um so kräftiger. Besah man das rechte Bein, so hatte man das Gefühl, dass sie krank war. Sie wurde auch zunehmend trauriger. So als wäre alle kindliche Fröhlichkeit verflogen. Colonia musste stets bewacht werden, denn es gab genügend gierige Menschen, die auf ihren wertvollen Schuh aus waren. Sobald die Goldpreise stiegen, wurde auch sie wertvoller. So drehte sich ihr Leben nur um den goldenen Schuh.
Ach wie gerne hätte sie mit anderen Kindern gespielt und getollt. Sie hatten so schöne Spiele, die sie auf der Wiese spielen konnten. Colonia durfte sie nur sitzend und stets bewacht beobachten.
Je älter sie wurde, um so mehr hasste sie den Schuh, der ihr einen Klumpfuß verpasst hatte. Sie konnte aber nicht weglaufen. So wurde sie immer trübsinniger, weil sie nicht wusste, wie sie aus dieser Situation je heraus kommen könnte. Ihr Ansehen allein reichte aber, um die Eltern noch reicher zu machen. Daher hatte sie auch den Eltern gegenüber Verantwortung und wurde von einem schlechten Gewissen geplagt, wenn sie nur daran dachte, sich von diesem Schuh je zu lösen. Viele Tränen weinte sie in ihre Kissen. Sie wollte ja auch nicht arm sein, o nein, der Reichtum war ihr angenehm und alle mussten etwas für den Reichtum tun, so musste sie eben den goldenen Schuh tragen. Das Gold, das ihr die Eltern auferlegt hatten, war ihr zum Schicksal geworden, das sie wohl lebenslänglich plagen würde, denn von dem Erbe der Eltern konnte man sich nicht lösen.
Gold, Gold, Gold,… in der Form eines Hemmschuhs, das war ihr Leben. Nie würde sie einen Mann bekommen, der sie liebte, denn was könnte er anderes lieben als ihr Gold. Kein Mann wollte eine Frau, mit einem Klumpfuß auch wenn er aus Gold war.
Colonia konnte weder stehen noch gehen, denn der Fuß wurde immer kleiner, je größer sie wurde. Der kleine Fuß konnte sie nicht tragen und wenn sie dann doch einmal stand, konnte sie es vor Schmerzen nicht aushalten. Je älter und erwachsener sie wurde, lernte sie sich ein Leben durch Bücher zu schaffen. Sie verschlang die Bücher. Aber je mehr sie las, umso unzufriedener wurde sie, weil sie noch mehr erkannte, was ihr alles im Leben entging. Trotz ihres Reichtums konnte sie nicht alles erleben, was in den Büchern stand. Sie hatte sogar manchmal das Gefühl, der Reichtum hindere sie am wahren Leben ebenso wie es der Klumpfuß tat. Durch den Reichtum war ihr Leben ge-richtet. Sie konnte sich alles leisten, sie musste nichts tun um ihre Wünsche erfüllt zu bekommen aber lieben, so wie es in den Büchern stand, das konnte sie nicht und was Weisheit war, das konnte sie nur logisch erfassen. Sie wusste, dass sie nie in diesem Leben, in das sie geboren worden war, so geliebt werden würde, wie sie es sich in ihrem noch unbekümmerten und kindlichen Herzen, gewünscht hätte.
So wurde sie immer härter und verbitterter; scheuchte das Personal, bis sie kriechen mussten. Ihr Leben nahm ihr noch das letzte Stück Liebe, das sie in sich finden konnte und sie warf es den lechzenden Krokodilen hin, die sich nach ihrem Gold sehnten. Der Sinn für das Gold nahm ihr den letzten Rest ihres Herzens. So war nicht nur der rechte Fuß klein geblieben, sondern auch ihr Herz. Von dem hatte sie sich nun endgültig befreit. Von dem Schuh konnte sie sich nicht befreien. Daran hing ihr ganzes prachtvolles Leben.
Jetzt, wo sie kein Herz mehr hatte, führte sie auch keine Zwiegespräche mehr mit einem Inneren, das sie plagte und sie brauchte auch diese ganzen Herz zerreißenden Bücher nicht mehr. Sie ließ sie alle verbrennen. Die Menschen um sie herum, mussten entweder auch ihr Herz entsorgen oder sie gingen zugrunde, denn sie wurde in ihrer Herrschsucht immer unerträglicher. Der goldene Fuß hatte ein kaltes Gespenst aus ihr gemacht. Ein Gespenst, dass alle, die von ihr infiziert waren zu herzlosen Goldmaschinen machte und es wurden immer mehr, denn sie lockte die Menschen mit Versprechungen. Dem Versprechen, dass es ihnen besser gehen würde, wenn sie mehr tun, was sie und damit das Gold ihnen sagt. Da das Vorkommen des Goldes immer weniger wurde weil es ausgeschöpft war und sich der größte Teil in ihrem Besitz befand, hatte sie auch eine unermessliche Macht. Diese Macht kompensierte jetzt ihren Klumpfuß. Sie war sogar stolz auf ihn. Er hatte ihr zur Weltmacht verholfen. Einer Macht, die alle Menschen bewegen konnte, ihr zu gehorchen und zu dienen, denn jeder war heiß auf Gold. Es lag in der Natur des Menschen. Es war nicht nur ihr Erbe, es war das Erbe der Menschheit, die sich nach einer Religion und sei es auch die des Goldes, sehnten. Manchmal hatte sie den Eindruck, man beneidete sie um ihren goldenen Fuß und viele, gar die meisten hätten mit ihr tauschen wollen. Lieber einen Klumpfuß und reich als arm und zwei funktionierende Beine, mit denen man viel laufen musste um sein Geld zu verdienen.
So nahm die Zeit ihren Lauf zum Golde hin. Man nannte es auch das goldene Zeitalter, in dem die Menschen glücklich waren, wenn sie im Golde baden konnten. Dass die Herzen immer kleiner wurden oder gar ganz ausgelöscht waren, störten immer weniger Menschen. Überhaupt ging mit dem Streben nach Gold viel Zerstörung einher. Manchmal hatte es den Anschein als würde die ganze Welt dadurch zerstört. Aber es schien, vom Gold geblendet niemand zu sehen. Hauptsache, die Bauten und die Äußerlichkeiten wurden größer, mehr vergoldet und damit imposanter. Alles Kleine und scheinbar Bedeutungslose musste für das größere Goldene weichen. Was bedeutungslos wurde, konnte weg, egal ob Ding oder Mensch.
Die, die sich noch ein Herz bewahren konnten, waren machtlos gegen die Macht des Goldes, auch sie drohten zu verkümmern. Sie wurden immer schwächer, da sie zunehmend mit den Annehmlichkeiten des Goldes konfrontiert wurden und von ideellen Werten oder Wärme des Herzens konnte man immer schlechter leben. Das Gold brachte vielen solch einen Reichtum, der es scheinbar für jeden möglich machte, in diesem Reichtum zu leben.
Wie bei Colonia hatte das Herz nur noch die Aufgabe zu schlagen um Reichtum zu erwerben. Immer weniger Menschen ließen sich von anderen Werten, von inneren Werten überzeugen, da die äußeren Werte überzeugender waren. Der liebevolle und weise Mensch war vom Aussterben bedroht.
Welches Herz hätte Colonia noch umstimmen können? Sie war jetzt im reifen Alter, so dass sie aus Liebe hätte Kinder gebären können. Aber war sie ein Kind der Liebe? Sie war das Kind des Goldes und war als solches erzogen. Nur eine innere feurige Regung hätte sie ihres Weges abbringen können. Sie hatte aber das Innere von sich gewiesen, hatte es aus sich entfernt und war kühl wie Eis geworden. Kein Mann hätte sie so lieben können.
So geschah es, dass sie sehr krank wurde. Der rechte Fuss musste ihr abgenommen werden, sonst würde sie sterben, da sich Blutgerinnsel gebildet hatten, die das Bein nach oben hin zu setzten.
Um ihres Lebens Willen, musste sie es geschehen lassen. Sie ließ den goldenen Fuß unter Aufsicht abnehmen, damit er nicht gestohlen wurde. Jetzt hatte sie einen Stumpf und statt des goldenen Fußes ließ sie sich einen künstlichen Fuß mit einem Gelenk an den Stumpf anbringen, so dass sie mit 23 Jahren laufen lernen konnte. Es war wie eine neue Geburt. Mit dieser Fähigkeit, die man ihr als Säugling genommen hatte, wuchs auch ihr Herz wieder und sie verschenkte einen großen Teil ihres Vermögens an all die Menschen, die sich noch etwas Herz und damit inneren Sinn in ihrem Leben bewahrt hatten.

Die Gefühle, die sie zu ihrem Schneider all die Jahre über hegte, obwohl sie dies nicht zulassen wollte und dann auch nicht mehr konnte, da er ein armer wenn auch weiser Mensch war, wiesen ihr jetzt ihren Weg. Es wurde eine gegenseitige echte Liebe und sie heirateten. Sie bekamen 2 Kinder, jedoch keines bekam goldene Schuhe. Wenn sie auch noch oft rückfällig wurde und meinte, sie müsse sich wieder mehr dem Golde widmen, so konnte sie sich doch schnell wieder der anderen Seite, einer höheren Stimme in sich, zu wenden und ein zufriedenerer Mensch werden, der weiß wann es genug ist. Ihre Weisheit, die sie zu einem wahren Menschen machte, fern ab von der Gier nach Gold, wuchs fortan mit jedem Tag den sie lebte. Die Weisheit ein liebender Mensch zu werden, der Mittel und Wege findet seinen Trieb nach Zerstörung um zu wandeln, wurde ihr zum Lebenssinn.
Als sie alt war, starb sie arm aber glücklich in den Armen ihres Mannes. Sie hatte all ihren Reichtum verschenkt. Nur so konnte sie den goldenen Schein endlich loswerden und ein höheres Bewusstsein aus sich selbst leben. Ein Bewusstsein, das ihr Leben reicher machte als alles Gold der Welt und keiner wusste es besser als sie. Jetzt erkannte sie, dass das Erbe ihrer Eltern, die goldenen Jahre, ihre leidvollsten Jahre waren. Zum Ende ihres Lebens, als die Stimme ihres Herzens die Führung übernommen hatte und nicht mehr das Gold, hatte sie den wahren Sinn ihres Dasein gefunden und konnte friedlich mit ihm sterben. So hinterließ sie ihren Kindern und Enkeln ein glücklicheres Erbe als das, was sie von ihren Eltern bekommen hatte. Der goldene Schuh hatte seinen Platz in einem Museum für Kulturgeschichte gefunden, in dem er auch heute noch bewacht werden muss.